Lesung von Landolf Scherzer am 05.11.15 in Rostock

Cover_Der RosteAm 05.11. war ich bei einer Lesung von Landolf Scherzer in Rostock. Da der Aufbau Verlag in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feiert, war auch Scherzers Lektorin Angela Drescher gekommen und erzählte einiges über die Geschichte des Verlages und über die Arbeit einer Lektorin.

Diese Lesung war keine gewöhnliche, denn Scherzer nutzte den ihm zur Verfügung gestellten Stuhl nicht, sondern lief vor dem Publikum auf und ab und sprach es direkt an. Er las immer nur ein paar Zeilen, um die folgende Anekdote dann lieber ohne Buch zu erzählen. Das war sehr unterhaltsam und lebendig! Das Rostocker Publikum war begeistert, zumal auch einige Bekannte und Freunde Scherzers anwesend waren. Der Wahlthüringer arbeitete zu DDR-Zeiten nämlich einige Zeit auf einem Rostocker Fischtrawler. Gleich zu Beginn sagte er „Das war meine schönste und schlimmste Zeit zugleich.“ Nachzulesen ist diese Erfahrung im Buch „Fänger und Gefangene“. Scherzer vermag es außerdem, ganz natürlich zu erzählen, als wäre man nicht bei einer öffentlichen Veranstaltung, sondern als wäre der Autor bei einem zu Hause im Wohnzimmer.

Vorgestellt hat Scherzer sein jüngstes Buch „Der Rote“. Darin geht es um die ersten hundert Tage der Rot-Rot-Grünen Koalition in Thüringen. Dabei schildert er, ähnlich wie bei der Lesung, aus seiner persönlichen Sicht und doch sind wenige Wertungen enthalten. So erklärt sich auch, dass das Buch nicht mit Politik beginnt, sondern mit Ausschachtungsarbeiten. Zur Zeit der Wahl war Scherzer nämlich damit beschäftigt, ein Leck in einer tausende Meter reichenden Wasserleitung auf seinem Grundstück im Thüringer Wald zu finden. Er bekam den Arbeiter Frieder zur Hand und dieser wird zum eigentlichen Held des Buchs. Denn als einfacher Arbeiter kennt er immer jemanden, der jemanden kennt, der etwas weiß und so weiß Frieder eigentlich alles und sagt deshalb immer wieder zum Scherzer-Ich des Buches: „Ich muss dich da mal schlaumachen.“ Frieder ist es auch, der mit Scherzer wettet, dass der Autor und Journalist es in den ersten hundert Tagen der neuen Regierung in Thüringen nicht schafft, die Gedanken und Gefühle von Bodo Ramelow zu erfahren. Und so begibt sich Scherzer auf die Odyssee. Es gelingt ihm immerhin, den ersten linken Ministerpräsidenten Deutschlands zu verschiedenen Terminen zu begleiten und er kann auch dessen Minister begleiten. Es werden nicht nur die Positionen, die die Politiker vertreten, gezeigt, sondern auch, unter welchen Umständen sie arbeiten  (müssen). Sie schlagen sich zum Beispiel mit Verwaltungsproblemen herum, die durch den Regierungswechsel oder auch anders entstanden sind. Sie sehen sich mit neuen Erwartungen konfrontiert, die aufgrund des Regierungswechsels von allen Seiten auf sie einströmen. Scherzer erzählt auch, was die Minister vorher getan haben und wie ihr privates Umfeld aussieht. Er zeigt sie also mit ihren Voraussetzungen und wie sie den täglichen Anforderungen entgegentreten.Auch eine Regierung kann nicht alles Bestehende ändern und alle sind voneinander abhängig. Oftmals sind den  Politikern die Hände gebunden und sie können nur immer wieder versuchen, die Problemlagen wenigstens zu überblicken.

„Der Rote“ ist ein interessantes und unterhaltsames Buch für alle Politikinteressierten mit und ohne Vorwissen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s