Juan S. Guse: Lärm und Wälder

Cover_Lärm und WälderDer Debütroman von Juan S. Guse schildert ein Szenario kurz vor der Katastrophe. Es geht um eine Familie, die in einer geschützten und abgeriegelten Stadt namens Nordelta in Südamerika lebt. Die Eltern Hector und Pelusa arbeiten außerhalb dieses geschützten Gebietes und bringen die beiden Söhne mit dem Auto zur Schule. Überhaupt wird das ummauerte und mit Sicherheitspersonal ausgestattete Nordelta nur mit dem Auto verlassen und mit dem Auto direkt vor den Eingang des Zielortes gefahren, schließlich ist das Stadtzentrum, außerhalb der Mauern gelegen, nicht sicher und nach Einbruch der Dunkelheit gibt es dort gewaltsame Kämpfe um Leben und Tod. Die Gewalteskalationen spitzen sich im Laufe der Geschichte immer weiter zu. Parallel dazu wird eine zweite Handlung aus der Ich-Perspektive eines Mannes erzählt, der einsam in den Anden wohnt und dessen Frau ebenfalls Pelusa heißt. Am Ende stehen zwei Männer im Fokus, die von ihren Pelusas verlassen wurden. Sie steigern sich so in ihre Ängste hinein, dass sie nicht mehr fähig sind, ein Leben unter anderen Menschen führen zu können. Sie selbst sind zu den beängstigenden Gestalten geworden, vor denen sie am Anfang Angst hatten.

Guse hat einen sachlichen und geschmeidigen Erzählstil, der aber auch konstruiert wirkt. Man hat das Gefühl, jeder Satz hat eine hintergründige Bedeutung, die man nicht versteht. Besonders die Kapitelenden werden durch bedeutungsvolle Sätze geschmückt, die detaillierte Beschreibungen und düstere Ankündigungen beherbergen oder auch nur vermuten lassen. Zum einen trägt das zur Stimmung der Hoffnungslosigkeit des Romans und zur Verunsicherung des Lesers bei, zum anderen ist das auch ganz schön bedeutungsschwanger und dick aufgetragen.

Der Roman zeigt, wie die Angst vor einer Katastrophe zur Hysterie werden kann und wie genau diese Hysterie die Verwirklichung der Katastrophe vorantreibt – ein allgemeingültiger Roman, der ein beängstigendes Szenario zeigt. Aber am Ende weiß man immer noch nicht so genau, was das alles eigentlich sollte.

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