Bov Bjerg: Auerhaus

Bjerg_Auerhaus_U1.inddDiesmal bespreche ich ein ganz neues Buch, das erst am 17.07. auf den Markt gekommen ist. Es ist der Roman einer Freundschaft und über das Leben aus einer ungewöhnlichen Perspektive betrachtet.

Vier Abiturienten beschließen, in das leere Haus zu ziehen, das einmal Frieders Großeltern gehört hatte. Denn Frieder ist offiziell suizidgefährdet und braucht nach seinem Aufenthalt in der Psychiatrie einen Wechsel des Umfelds. Also raus aus dem Elternhaus und rein ins Abenteuer! Die Hauptfigur und Erzähler der Geschichte ist Frieders bester Freund , der  versucht nachzuvollziehen, wie jemand die Welt sieht, wenn er weiß, er könnte sich jederzeit umbringen:

„Manche Leute brachten sich um. Blöde Sache. Aber warum? Das wusste kein Mensch. Man konnte sie ja nicht mehr fragen. Jedenfalls die, bei denen es geklappt hatte. Die, bei denen es nicht geklappt hatte, die konnte man noch fragen. Aber zählte das, was die sagten? Vielleicht gab es für einen Selbstmordversuch, der schiefging, ganz andere Gründe als für einen Selbstmordversuch, der gelang?“

In dieser Geschichte wird aus der Erfahrung der krankhaften Depression eine großartige Feier des Lebens. Wir erfahren alle möglichen unterhaltsamen Anekdoten aus der Welt eines Jugendlichen Anfang der 80er in der BRD. Zum einen versucht der Erzähler, um die Wehrpflicht herum zu kommen, indem er die Einladungen zur Musterung ignoriert. Zum anderen bilden sich die vier Auerhausbewohner im Klauen von Lebensmitteln aus. Schließlich brauchen sie etwas zu essen, haben aber kaum Einkommen, da sie ja noch zur Schule gehen. Existenzielle Fragen und unbeschwerte Momente folgen dicht aufeinander. Alltägliches, das wir als selbstverständlich ansehen, wird hinterfragt. Die vier geraten mehrmals in Konflikt mit dem Gesetz. Dabei handeln sie nicht bösartig, sondern haben eben andere Ansichten als der Durchschnittsbürger.

„Auerhaus“ ist sehr erfrischendes und einfühlsames, ja anrührendes Buch mit einer klaren und doch poetischen Sprache. Es ist nicht nur für erwachsene Leser eine Bereicherung, sondern auch für Jugendliche. Mich erinnert diese Geschichte ein wenig an „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. In beiden Büchern treffen nachdenkliche Jugendliche aufeinander, die versuchen, aus den gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen, um ihren eigenen Weg zu finden. Sowohl bei „Tschick“ als auch bei „Auerhaus“ liegen Unterhaltung und Tiefsinn dicht beieinander. Kriterien, die für mich ein gutes Buch ausmachen.

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