Milan Kundera: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Kundera_24763.inddMilan Kundera, Autor so berühmter Werke wie „Die Leichtigkeit des Seins“ oder „Die Langsamkeit“ und Jahrgang 1929, hat tatsächlich kürzlich nochmal einen Roman veröffentlicht. Ein Romänchen trifft es wohl eher. Mit seinen knapp 140 Seiten und vielen Unterteilungen in Teile und Kapitel ist das Buch an einem Abend durchgelesen. Aber es ist gehaltvoll. Es wird viel angedeutet, sodass die Geschichte am Ende in erster Linie bedeutungsschwanger ist. Das ist so eine von den Geschichten, die man versucht zu fassen und in der man sehr viel entdecken kann. Da lohnt sich auf alle Fälle auch mehrmaliges Lesen.

Die Handlung besteht aus der Schilderung von Situationen im Leben vierer Männer in Paris, die sich alle untereinander kennen. Die Männer treffen immer wieder aufeinander und die Geschichten überschneiden sich. Alain denkt darüber nach, warum er den weiblichen Nabel so anziehend findet. D’Ardelo hat sich schon so sehr auf die Diagnose Krebs eingestellt, dass er nahezu verblüfft  ist, als er erfährt, dass er doch gesund ist. Aus einem Affekt heraus erzählt er Ramon, den er zufällig kurz danach trifft, er habe Krebs. Caliban ist ein gescheiterter Schauspieler, der bei D’Ardelos Geburtstag voll auf seine Kosten kommt, weil er, als Kellner engagiert, einen Pakistani mimt. Neben dieser Handlung erzählt Ramon Anekdoten aus dem Leben Stalins, die dessen Ambivalenz zeigen: Zwischen brutalem, kein Erbarmen kennenden Herrscher und einem humorvollen, harmlos scheinenden Menschen.

Kundera seziert die Feinheiten der menschlichen Psyche und dabei geht es hier vor allem um die Bedeutung – oder eben die Bedeutungslosigkeit – der Ereignisse. Die Menschen sind es, die den Dingen Bedeutung beimessen. Der Erzähler blickt in das Innenleben der Figuren und macht für den Leser durch die Schilderung selbst kleine Entscheidungen und Motivationen äußerst spannend. Streckenweise liest sich das wie eine Verhaltensstudie.

Das Interessante daran für mich ist, wie die Spannung aufgebaut und gehalten wird, denn es passiert kaum etwas und trotzdem haben mir die Details fast den Atem geraubt. Ich konnte den Lesefluss kaum unterbrechen, denn ich wollte wissen, was gleich – möglicherweise Entscheidendes – passiert. Das macht meiner Meinung nach eine gute Geschichte – egal ob als Buch oder als Film – aus: Durch das Erzählen werden Erwartungen geweckt, aber irgendwie kommt es doch immer anders, als man denkt. Obwohl die Erwartungen enttäuscht werden, ist man selber aber nicht enttäuscht, sondern das Unerwartete begeistert im Gegenteil noch mehr.

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