Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe

Cover_juristische UnschärfeNachdem ich vor einigen Wochen bereits „Der Russe ist einer, der Birken liebt„, besprochen habe, bleibe ich nun noch das aktuelle Buch Olga Grjasnowas schuldig. Auch mit diesem Roman versteht es die Autorin, das Lebensgefühl so mancher Anfang Zwanzig- bis Anfang Dreißigjährigen wiederzugeben.

Leyla und Altay sind ein Ehepaar aus Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Sie führen eine Zweckehe: Altay interessiert sich für Männer, Leyla für Frauen. Trotzdem leben sie zusammen und verstehen sich gut. Durch ihre Ehe fühlen sie sich miteinander verbunden und dulden die kurzen Affären des anderen. Altay ist wegen der Berufsaussichten als Arzt nach Berlin gekommen, Leyla musste als Ehefrau mit, obwohl sie lieber in Moskau geblieben wäre. Leyla ist eine Balletteuse und führt ein Leben voller Entbehrungen und Schmerzen, um weiterhin Engagements zu bekommen. Die Situation wird brenzlig, als Leyla plötzlich eine feste Partnerin hat, Jonoun. Durch ihre Anwesenheit scheint bei Altay die Eifersucht geweckt und dadurch auch der Wunsch, Leyla für sich allein zu haben. Sogar ein Kinderwunsch stellt sich ein. Bei Leyla führt die Dreiecksbeziehung dazu, dass sie sich von Altay trennen möchte. Doch mit Jonoun allein ist sie auch nicht glücklich. Und Jonoun begehrt zwar Leyla, weiß aber nicht, wieso. Und so hängen die drei Charaktere in der Luft, können nicht mit und nicht ohne einander und drehen sich im Kreis. Zuerst in Berlin und dann in Baku.

Bei diesem Buch steht das Ehedrama im Mittelpunkt, aber die Themen der kulturellen Unterschiede, Vorurteile und Probleme sowie der homosexuellen Vorlieben schmücken das Ganze aus genauso wie das schon bei „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ der Fall war. In „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ kommt mir das Ganze etwas zielgerichteter vor, aber auch hier zieht sich die Geschichte ab einem bestimmten Punkt in die Länge. Das liegt aber auch daran, dass es für das beschriebene Dilemma keine Lösung, nicht einmal Lösungsansätze gibt. „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ hat viele Ähnlichkeiten mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, jedoch gelingt es Olga Grjasnowa in ihrem aktuellen Buch, einen klareren Spannungsbogen zu ziehen.

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