Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

Grjasnowa_23854_MR2.inddOlga Grjasnowa hat vor kurzem ihren zweiten Roman, „Die juristische Unschärfe einer Ehe“, veröffentlicht und ist eine der gefeierten jungen Autoren in Deutschland. Für mich war das ein Grund, mir erst einmal ihren Debütroman zu Gemüte zu führen.

Mascha ist eine junge Frau, die versucht, mit ihrem Leben klarzukommen: In Aserbaidschan geboren, ist sie in Deutschland als Ausländerin gebrandmarkt, obwohl sie hier aufwuchs und fließend Deutsch spricht. Und nicht nur das: Sie hat verschiedene Sprachen studiert und arbeitet als Dolmetscherin. Als ihr Freund neben ihr im Bett stirbt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie geht nach Israel, wo ein Teil ihrer Großfamilie lebt, denn sie ist auch Jüdin. Dort prallen die kulturellen Unterschiede noch mehr aufeinander als in Deutschland und nicht nur das, die Hauptfigur entdeckt ihre homoerotische Seite.

Olga Grjasnowa zeigt an Mascha alle möglichen Probleme, die junge Menschen in unserer Welt haben können. Die Konflikte verschiedener Kulturen, verschiedener Religionen und Sexualitäten, die eines gemeinsam auslösen: Unsicherheit und das Gefühl, nirgends man selbst zu sein, nirgends anzukommen. In der Welt der Globalisierung werden eben nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern vor allem auch Unterschiede schmerzhaft bewusst. Mich erinnert dieser Roman an die Popliteratur der späten 90er und beginnenden 2000er Jahre, in der es junge Männer waren, die ziellos in Deutschland umherstreiften. Nun ist es eine Frau, deren Probleme um einiges komplexer sind. Ein interessantes Buch, das aufmerksam auf so einige Konflikte macht, die auch in Deutschland ausgetragen werden. Mit dem Russen an sich hat dieses Buch übrigens – anders als der Titel vermuten lässt – eigentlich nichts zu tun. Dafür aber mit aus der Luft gegriffenen Vorurteilen, die doch immer auch ein Ausdruck dafür sind, dass man etwas Unbekanntes nicht einordnen kann.

Ein spannendes Buch, das alles möglich thematisiert und mit Sicherheit provoziert, was ich als Qualitätsmerkmal werten würde.

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