Markus Zusak: Die Bücherdiebin

die_buecherdiebinDer Tod ist zufällig auf das Mädchen Liesel Meminger getroffen. Und der Tod findet sie bemerkenswert. Deshalb erzählt er uns ihre Geschichte, die Geschichte der Bücherdiebin.

Ein Jugendbuch aus der Sicht des Todes? Und das auch noch zur Zeit des Nationalsozialismus? Das ist zum einen originell, zum anderen aber auch sehr gewöhnungsbedürftig. Jedoch handelt es sich um einen sehr netten Tod, der die getöteten Juden ebenso wie die gefallenen Soldaten bedauert. Er kommt nämlich, um die Seelen aufzusammeln. Und hat im Krieg natürlich sehr viel zu tun. Eine interessante Darstellung, die sicher auch die Angst vor dem Tod abmildern kann. Und die vor allem auch zeigt, dass der Tod, auch außerhalb des geschilderten Ausnahmezustandes, eben zum Leben dazugehört. Der Nationalsozialismus spielt zwar eine Rolle, tritt aber hinter der Geschichte von Liesel zurück. Dadurch wird ein viel authentischeres Bild gezeichnet als jede pädagogisch wertvolle Belehrung. Im Fokus steht das kleine Mädchen und ihre Sicht auf die Welt und ihre Erfahrungen. Es geht um Liebe, um Familie und vor allem um  das Lesen und wie man durch das Lesen lernt – fürs Leben. Wir sehen die Welt auch durch die Augen eines Kindes. Bucht zuletzt dadurch schafft es das Buch, sehr viel Einfühlsamkeit und Sensibilität zu erzeugen. Geradezu rührend ist es, wie Liesel sich in allen Widrigkeiten zurechtfindet. Es geht nicht darum, sich zu beklagen. Es geht nicht darum, was Liesel nicht hat. Sondern es geht darum, was sie sich aus dem Vorhandenen schafft.

Es gibt verschiedene, immer mal andersartige Hervorhebungen, die das Lesen nicht langweilig werden lassen und für Abwechslung sorgen. Gerade für ein dickeres Jugendbuch wie dieses sind solche Orientierungspunkte wichtig, um junge Menschen nicht vom Lesen abzuschrecken. „Die Bücherdiebin“ gewann den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 und wurde inzwischen auch verfilmt. Der Autor ist das Kind deutscher Eltern, deren Geschichte in „Die Bücherdiebin“ mit einfloss. Zusak ist in Australien geboren und aufgewachsen und schreibt auf Englisch, weswegen das Buch erst ins Deutsche übersetzt werden musste. Wahrscheinlich ist Zusak gerade dadurch, dass er nicht in Deutschland aufgewachsen ist, gelungen, verhältnismäßig sachlich über den Nationalsozialismus zu schreiben. Es geht um Einzelschicksale und wie die Menschen in den konkreten Umständen gelebt haben. Dazu gehört aber auch, dass Kriegsverletzungen und Tote nicht verschwiegen werden – gerade dadurch, dass andererseits Freundschaften so empfindsam mit all ihren Aspekten erzählt werden, finde ich das besonders grausam. Und gerade deshalb ist dieses Buch sicher nicht für jeden Jugendlichen geeignet. Selbst für Erwachsene ist diese Geschichte sehr bewegend.

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