Albrecht Titus Wolff: Spritzen, Nadeln kostenlos, Kaffee 20 Cent

Cover_Spritzen NadelnDer Titel ist etwas lang und abschreckend, aber ein Blick lohnt sich in dieses kleine Büchlein, das nicht einmal 100 Seiten aufzuweisen hat – also etwas Schnelles für zwischendurch, das es jedoch in sich hat.

Ich wusste gar nicht, was ein Drogen-Konsumraum ist und dass es so etwas gibt, bevor ich dieses Buch gelesen habe: Aus der Sicht eines Sozialarbeiters beschreibt Albrecht Titus Wolff einen Tag im „Druckraum“, einer Einrichtung, in der Abhängige legal und unter Aufsicht Drogen konsumieren. Hier gibt es gewisse Verhaltensregeln und es wird darauf geachtet, dass alles steril ist, dass keiner zu viel nimmt. Wenn doch, ist schnell Hilfe da. Ob es dann nicht schon zu spät ist, steht auf einem anderen Blatt. Auch medizinische Ausrüstung bekommen die Besucher, die Klienten genannt werden. Es ist eine Schilderung, keine Auswertung und keine moralische oder emotionale Bewertung. Klar wird: Die Sozialhelfer sind rettungslos überlastet, der Druckraum ist ständig voll besetzt und ständig passiert etwas anderes, das die Helfer fordert. Sie müssen immer alles mitbekommen, um entsprechend reagieren zu können. Ein wahrer Knochenjob. Und man erfährt einige Schicksale der Drogenabhängigen. Es geht nicht darum, wie sie abhängig geworden sind, sondern wie sie leben. Es geht darum, dass auch sie Menschen sind, die leben wollen und ein menschenwürdiges Leben wollen, was meist gar nicht so einfach ist. Dem Autor gelingt es, in der Sprache des Klientels und doch poetisch zu schreiben. Interessant ist, dass die Anführungszeichen der direkten Rede weggelassen werden. Eine Sparsamkeit, an die man sich im ersten Moment gewöhnen muss. Aber trotzdem wird schnell deutlich, wer was sagt, denn die Positionen der Beteiligten sind dafür klar genug.

Der Autor Albrecht Titus Wolff ist promovierter Theologe und promovierter Mediziner, der auf Suchtmedizin spezialisiert ist. Es handelt sich zwar um eine fiktive Erzählung, trotzdem ist „Spritzen, Nadeln kostenlos, Kaffee 20 Cent“ eine harte Lektüre. Gerade wenn man bedenkt, dass Wolff aus seiner Erfahrung erzählt und dass diese Dinge so oder so ähnlich jeden Tag passieren.

Für jeden, den dieses Thema interessiert, ein Muss!

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