Frank Schätzing: Breaking News

 

Cover_Schätzing_Breaking NewsEinige Jahre nach seinem erfolgreichen Bestseller „Der Schwarm“, einer Utopie einer globalen Umweltkatastrophe, wartet Frank Schätzing mit einem neuen Wälzer und einem nicht weniger brisantem Thema auf: Die nicht enden wollenden Konflikte um Israel.

Schätzing springt in der Zeit und erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Da ist zum einen der Reporter Tom Hagen. Er ist ein Adrenalin-Junky, bugsiert sich immer wieder in die gefährlichsten Situationen und versucht auf diese Weise, die besten Geschichten zu ergattern. Dann sind da Jehuda und Benjamin, deren Eltern aus dem gerade nationalsozialistisch werdenden Deutschland nach Israel flüchteten, als es Israel noch gar nicht gibt. Und die Geschichte ihres Jugendfreundes Arik, mit dem sie zusammen in einem kleinen Ort im neuen Israel aufwachsen. Die Handlungsstränge sind mit einer großen Menge an Informationen gespickt. Diesen zu folgen ist teilweise anstrengend, vor allem dann, wenn sie für den Verlauf der Handlung wichtig sind. Hier sind Israel-Experten klar im Vorteil. Ich bin „Breaking News“ eher als Buch, von dem ich noch viel lernen kann, angegangen. Aber die Fülle an Informationen lässt sich dann doch schwer auf einmal aufnehmen. Und dann führt Schätzing nochmal neue Figuren ein: Perlman, der für den israelischen Geheimdienst Schin Bet arbeitet und der Schoschana Cox entdeckt, die er zur Agentin ausbilden lässt. Und plötzlich, nach etwa 350 Seiten, entpuppt sich die Geschichte als Agententhriller. Auf einmal laufen alle Fäden zusammen und die Vorgeschichten und Informationen verbinden sich zu einem Bild. Und das ist noch nicht alles: die Spannung nimmt rasant zu und hält bis zum Schluss an.

Zeitgleich werden die Themen und Aspekte dem Leser knallhart präsentiert, mithilfe einer flapsigen Sprache, die die Gedanken der Figuren wiedergibt und auch in den Dialogen vorkommt: „Der ganz banale Scheiß. Wovon du geträumt hast, während dir alles um die Ohren flog (…)“. Das ist Schätzings Lösung die krassen Situationen, die er schildert, dem Leser authentisch zu vermitteln. Denn die Geschichte Israels ist eine einzige Aneinanderreihung von unglaublichen Geschehnissen. Was bringt die Menschen nur dazu, so zu handeln? Durch die Perspektivenwechsel gelingt es Schätzing, die verschiedenen Denkweisen und Interessen darzustellen. Wo das Verständnis fehlt, ja fehlen muss, hilft Ironie. Unzählige große Wahrheiten sind in dem Buch enthalten. Schätzing lässt seine Figuren viele Dinge auf den Punkt bringen. Hier wird mal wieder deutlich, wie gut Fiktion helfen kann, sensible Themen so darzustellen, wie sie sind. Schätzing bringt durch die Figuren Standpunkte zum Ausdruck, die sonst problematisch wären. So kann der Rabbi zum Journalisten aus Hamburg deutlich sagen: „Wir können es schon nicht mehr hören, eure ständige Selbstgeißelung: Kollektivschuld über Generationen hinaus, der ganze Quatsch, und andererseits dieser verlogene Man-darf-ja-nichts-gegen-Israel-sagen-sonst-ist-man-gleich-Antisemit-Käse. Doch, man darf! Wir wollen Kritik. Aber wir wollen, dass ihr genau hinschaut. Dass ihr differenziert. Seht, wer wir tatsächlich sind. So wie wir aufhören müssen, überall Gegner zu wittern, unser lieb gewordener Opfermythos. Niemand darf auf ein Volk, eine Ethnie herabblicken und sagen: So sind die!“

Es dauert etwas, bis man in das Buch hineinfindet und es geht hier nicht um große Prosakunst. Aber der Inhalt und wie die Handlung und Spannung abgestimmt sind, ist großartig. Letztendlich handelt es sich um ein komplexes Buch, das ein noch viel unübersichtlicheres Thema beinhaltet. Tatsächlich wurden meine Hoffnungen nicht enttäuscht, denn nun habe ich nicht nur ein größeres Wissen über den Israel-Palästina-Konflikt, sondern auch ein viel besseres Gespür, was das Problem für beide Teile und innerhalb der Kulturen ist. Schätzing hat hier wieder unglaublich genau recherchiert, so dass dieses Buch den Leser um vieles bereichert.

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