Malala Yousafzai mit Christina Lamb: Ich bin Malala

Cover_MalalaMalala ist eine pakistanische Aktivistin, die sich für das Recht auf Bildung stark macht. Sie ist weltberühmt geworden durch ein Attentat der Taliban, bei dem sie tödlich am Kopf verwundet wurde. Sie konnte jedoch gerettet werden, weil sie in ein Krankenhaus nach England gebracht wurde. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Birmingham. Im September 2013 hat sie den Internationalen Friedenspreis für Kinder erhalten. Hier musste also mal wieder eine Biografie geschrieben werden, weil wir es mit einem Menschen, der in das Licht der Öffentlichkeit geraten ist, zu tun haben. Abgesehen davon, dass ich es für überflüssig halte, dass heute jeder seine Biografie schreibt, sobald er Bekanntheit erlangt und in diesem Fall sogar erst eine 17jährige!, fand ich das Thema jedoch sehr interessant. Schließlich weiß ich so gut wie gar nichts von Pakistan.

Malala stellt dar, wie sie ihre Welt, das heißt die Verhältnisse in Pakistan, wahrnimmt. Neben den politischen Geschehnissen berichtet sie auch viel über die Kultur der Einwohner, welche zum Großteil Paschtunen sind, denen auch sie angehört. Es wird schnell klar, dass aus der Erzählerstimme Malala verschiedene Personen sprechen, denn sie beginnt ihre Geschichte mit den Geschehnissen kurz vor ihrer eigenen Geburt. Das ist allerdings enttäuschend für den Leser, denn der Prolog baut wahre Spannung auf: Er schildert die Situation, in der Malala von den Taliban in den Kopf geschossen wird. Die eigentliche Geschichte beginnt dann viel früher und erzählt zunächst das Schicksal ihres Vaters: dessen Bildungsweg und wie er versuchte, eine Schule zu gründen. Es dauert also über hundert Seiten, bis die Erzählerin erst einmal zu dem Punkt kommt, an dem die Taliban sich in ihrer Heimatregion zu etablieren beginnen. Bis dahin erfährt der Leser noch nicht unbedingt, was Malala im Speziellen ausmacht, jedoch gibt es Einblicke in ihre Kultur und in das Einzelschicksal ihres Vaters. Leider verliert die Geschichte an Authentizität, denn es ist klar, dass es nicht um die Geschichte eines Mädchens geht. Die Erzählerstimme hat klare und gefestigte Moralvorstellungen, die sie dem Leser nicht vorenthält – wenn diese wirklich Malala von sich aus so vertreten würde – alle Achtung. Ganz deutlich wird das nochmal, als sie die Episode erzählt, in der sie kurz nach dem Kopfschuss bewusstlos ist. Die Situation wird zunächst aus der Sicht des Vaters und dann aus der Sicht der Mutter genau geschildert. Malala verwendet sogar wörtliche Rede. Das halte ich für schwierig, weil ganz offensichtlich ist, dass Malala nicht dabei gewesen sein kann. Durch die wörtliche Rede wird versucht, Authentizität zu produzieren und dadurch die Spannung zu steigern – da aber die Glaubwürdigkeit fehlt, geht das eher nach hinten los. Außerdem ist problematisch, dass Malala wirklich alle Kleinigkeiten erzählt. Der Leser muss selbst erkennen, welche Anekdoten für den Fortlauf der Geschichte relevant sind, was auf Dauer anstrengend und ermüdend ist. Ich musste mich deshalb streckenweise durch das Buch kämpfen, das man ruhig hätte kürzen können – ohne dass Wissen verloren gegangen wäre, aber mit einem Spannungsgewinn! Der Prolog hingegen ist sehr klug gesetzt: Das Buch setzt in dem Moment ein, in dem Malala den Schuss abbekommt. Der Leser erwartet nun, dass sie bald zu der Situation zurückkommen wird und möchte endlich wissen, wie es weitergeht. Doch dahin kehrt die Erzählerin erst am Ende des Buches zurück – das dafür umso spannender ist.

Fazit: Wer sich für die Kultur und Geschehnisse im nahen Osten interessiert, für den ist dieses Buch hochinteressant. Wer eine spannende Geschichte erwartet, der sollte zu einem anderen Buch greifen. 

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3 Gedanken zu “Malala Yousafzai mit Christina Lamb: Ich bin Malala

  1. Ich hatte vor dieses Buch zu lesen, aber nicht aus dem Grund einer spannenden Story. Ich liebe Bücher die sich mit dem nahen Osten beschäftigen, weil mir diese Kultur so fremd ist. Während des Lesens scheint man in eine Parallelwelt transportiert zu werden, die von unserer Realität so weit entfernt ist, dass die Geschichten fast schon surreal wirken. Leider entsprechen sie der Realität, wie auch in diesem Fall.
    Ich werde mir wohl noch meinen eigenen Eindruck dazu machen (:
    Danke für die Rezension, hat Spaß gemacht sie zu lesen!

  2. Ich bin gespannt, ob du bei diesem Buch auch in eine Parallelwelt versinkst. Ich weiß was du meinst, hatte hier aber nicht das Gefühl. Für mich gehört es zu einer spannenden Story dazu, dass ich mich in einer anderen Welt verliere. Danke für deine Meinung, Katharina! 🙂

  3. Pingback: Eine wichtige Woche für die Literaturwelt | Annas Literaturcheck

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